INSTITUT INTERNATIONAL

Erkenntnisse über Krebsursachen

seit Prof. Warburg


Vor mehr als 70 Jahren analysierte der Arzt und Biochemiker Prof. Otto Warburg (1883-1970) als Professor am Kaiser-Wilheim-Institut (ab 1918) die Zellatmung, die außer in den roten Blutkörperchen rund 90 % der molekularen Energieträger in den menschlichen Zellen produziert. Die Atmungskette nutzt den molekularen Sauerstoff, um die durch Photonenenergie angeregten, energiereichen Elektronen durch den Abbau der Makronährstoffe wie Zucker, Fette und Eiweiße auf die universelle Energiewährung der Zelle, das Molekül Adenosintriphosphat (ATP), zu übertragen. Für die Analyse der Komplexe der Atmungskette, welche für die geregelten Elektronenflüsse und Wasserstoffionengefälle in Form hintereinandergeschalteter sogenannter Redox-Systeme verantwortlich sind, erhielt Prof. Warburg schon Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Leiter des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biologie/Zellphysiologie, den Nobelpreis.

Warburg hat als weitere herausragende Leistung bei seinen Forschungen erkannt, dass beim Stoffwechsel in der Krebszelle aus der Glukose erstaunlich viel Milchsäure ("Glykolyse") produziert wird. Dies trifft sowohl in vitro (im Reagenzglas) als auch in vivo (im lebenden Organismus) zu und gilt für aerobe wie auch anaerobe Stoffwechselprozesse (mit positivem bzw. negativem Sauerstoffüberschuss) in unterschiedlichem Ausmaß je nach betreffender Krebsart. in normalem Gewebe von tierischen Organismen dagegen wird niemals in vergleichbarem Umfang unter aerobischen Bedingungen Milchsäure aus Glukose produziert. Krebszellen unterscheiden sich demnach von Nicht-Krebszellen durch ihr Unvermögen, die Glykolyse in Gegenwart von Sauerstoff zu unterdrücken. In den Krebszellen ist die Kontrolle der Gärung durch Atmung gestört.

Hauptkrebsursache ist der Sauerstoffmangel

Erst im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte konnte dieser Mechanismus, der auf der Aktivität von Enzymen beruht, vollständig aufgeklärt werden. Im Rückblick schreibt Warburg hierzu 1967: "in wenigen Worten zusammengefasst ist die letzte Ursache des Krebses der Ersatz der Sauerstoffatmung der Körperzellen durch eine Gärung. Alle normalen Körperzellen decken ihren Energiebedarf aus der Sauerstoffatmung, die Krebszellen allein können ihren Energiebedarf aus einer Gärung decken. Vom Standpunkt der Physik und Chemie des Lebens betrachtet ist dieser Unterschied zwischen normalen Körperzellen und Krebszellen so groß, dass man ihn sich größer nicht vorstellen kann. Der Sauerstoff ist in den Krebszellen entthront und ersetzt durch die energieliefernden Reaktionen der niedrigsten Lebewesen, durch eine Gärung". Durch die Zellgärung wird mehr Energie erzeugt als durch die normale Sauerstoffversorgung, so dass sich die Zellen schneller vermehren können. Es entstehen Wucherungen. Man spricht dann von Krebs.

Diese Erkenntnisse beherrschten die Krebsforschungen durch Jahrzehnte und waren einleuchtend, also logisch. Statt Sauerstoff in der gesunden Zelle, Gärungsgase in der Krebszelle. Da in einer einzigen menschlichen Zelle mehr verschiedene Chemieprozesse ablaufen, als in allen Chemiefabriken unserer Erde, können wir erahnen, wie komplex eine solche Forschung sein muss.

Wende in der Erkenntnis über Krebsursachen

1966 jedoch, beim alljährlichen Treffen der Nobelpreisträger in Lindau am Bodensee, kam es zu einer epochemachenden Begegnung zwischen Warburg und den führenden Krebsforschern der jüngeren Generation, insbesondere aus den USA. Diese junge Generation von Nobelpreisträgern und Autoritäten wie Warburg, aber in der Regel Medizinprofessoren, war fasziniert von der Entdeckung des genetischen Code seit Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts und glaubte enthusiastisch, durch die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts in den Genen auch die Schalter für die Krebsgene finden zu können. Warburg hielten sie entgegen, er habe neu entdeckte Gensequenzen übersehen, die endogene "Retroviren" genannt werden, die offensichtlich Erbgutveränderungen in Gang setzen könnten, welche letztendlich die Transformation von aus differenzierten Zellen zu Krebszellen bewirken könnten. Diese "Mutationstheorie" dominiert die Krebsforschung bis heute und lenkte die Krebsforschung leider in eine sicherlich verkehrte Richtung und entfernt sich dabei immer weiter vom Ziel. Die wahre Lehre des deutschen Nobelpreisträgers geriet dadurch fast in Vergessenheit.