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Begünstigt Fruchtzucker Übergewicht?


Die Vorteile und Nachteile von Fruchtzucker für Diabetiker sind in den letzten Jahren viel diskutiert worden. Eine neue Studie geht der Frage nach, ob Fruktose weniger sättigt.Fruchtzucker kommt in Obst vor – zum Beispiel in Weintrauben

In der Geschichte der richtigen Ernährung bei Diabetes hat kaum ein anderer Inhaltsstoff eine wechselhaftere Geschichte hinter sich als Fruchtzucker (auch Fruktose), der zu den Zuckeraustauschstoffen gehört. Lange Zeit empfahlen Experten Diabetikern, gewöhnlichen Zucker durch Fruktose zu ersetzen. Der Grund: Die ersten Phasen des Fruktose-Stoffwechsels erfolgen unabhängig von Insulin. Deshalb war der Stoff in vielen speziellen Diabetiker-Lebensmitteln enthalten.

Studien: Fruchtzucker beeinflusst Stoffwechsel ungünstig

Spezielle Diabetiker-Lebensmittel gibt es seit Okober 2012 nicht mehr, nur die Restbestände dürfen im Rahmen ihrer Haltbarkeit noch verkauft werden. Einen Anteil daran hat auch die Neubewertung von Fruchtzucker. Studien deuten darauf hin, dass der Zuckeraustauschstoff in großen Mengen den Stoffwechsel nachteilig beeinflussen und etwa die LDL-Cholesterin- und Triglyzeridwerte erhöhen könnte. Außerdem könnte Fruchtzucker die Einlagerung von Fett im Körper begünstigen. Spekuliert wird auch, dass Fruchtzucker Anteil an der Verbreitung von Übergewicht in den USA haben könnte und dass er möglicherweise weniger sättigt als gewöhnlicher Traubenzucker.

Das ist bislang nur eine Vermutung. Sie wird jedoch bekräftigt durch eine neue Studie der US-Medizinerin Kathleen Page vom John Hopkins Hospital in Baltimore. Sie untersuchte im Magnetresonanztomographen (MRT), wie Glukose und Fruktose unterschiedlich auf das Gehirn wirken.

Wie Fruktose und Glukose im Gehirn wirken

Zwanzig gesunde Erwachsene bekamen je eine Lösung aus Glukose und Fruktose zu trinken, bevor Page und ihr Team mittels MRT den Blutfluss im Gehirn der Freiwilligen maßen. Glukose führte dabei zu einem höheren Abfall des Blutflusses im Hypothalamus, als das bei Fruktose der Fall war. Der Hypothalamus ist ein Gehirnbereich, der unter anderem wohl das Hungergefühl kontrolliert.

Die Forscher interpretieren den geringeren Blutfluss als Anzeichen dafür, dass Traubenzucker besser sättigt als Fruchtzucker. Um diesen Verdacht zu erhärten, sind aber weitere medizinische Studien in größerem Umfang notwendig.

Obst ist natürlich trotzdem erlaubt

Unabhängig von der aktuellen Studie kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass ein erhöhter Konsum von Fruchtzucker bei Diabetes nicht zu empfehlen ist. Diese Warnung bezieht sich vor allem auf künstlich gesüßte Lebensmittel und Getränke, die Fruktose enthalten. Obst kann natürlich weiterhin in Maßen und unter Beachtung der BE/KE-Werte und des Kaloriengehalts verzehrt werden, solange keine Fruchtzuckerunverträglichkeit vorliegt. Schließlich enthalten die Früchte neben Fruchtzucker wichtige Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

Die Frage, inwiefern Fruchtzucker Übergewicht fördert, bleibt also vorerst offen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung – zu der auch Gemüse und Obst gehören – bleibt aber natürlich weiterhin sinnvoll.

Siehe auch SOJALL TRINKO!